Mannheim: DFB-Pokal-Derby eskaliert, Kaiserslautern gewinnt

Eskalation überschattet DFB-Pokal-Duell
Das Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern endete mit einem 1:0-Sieg für Kaiserslautern nach Verlängerung, wurde jedoch von erheblichen Ausschreitungen überschattet. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch, nachdem es zu gewalttätigen Szenen auf den Rängen und im Umfeld des Spielfelds gekommen war.
Während des Spiels flogen wiederholt Pyrotechnik, Böller und Raketen. Ein besonders kritischer Moment entstand, als Raketen aus dem Kaiserslautern-Block auf die Haupttribüne flogen. Dies führte zu einer Spielunterbrechung von etwa einer halben Stunde. Mannheimer Fans versuchten zudem, das Spielfeld zu stürmen, woraufhin Einsatzkräfte und berittene Polizisten eingreifen mussten.
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Die Polizei war mit einer hohen Präsenz vor Ort und musste deeskalierend eingreifen. Rund 30 Polizisten wurden bei den Einsätzen verletzt. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) bezeichnete das Spiel als Hochrisikospiel und betonte, dass Personen, die Fußball für Gewaltexzesse missbrauchen, keine Fans, sondern Kriminelle seien.
Reaktionen und Schuldzuweisungen nach dem Spiel
Nach dem Abpfiff begannen umgehend Diskussionen über die Ursachen der Eskalation. Mathias Schober, Sportdirektor von Waldhof Mannheim, machte indirekt den Kapitän von Kaiserslautern, Marlon Ritter, für die Zuspitzung der Situation mitverantwortlich. Schober erklärte, dass nach einer Rudelbildung auf dem Platz Raketen aus dem Lautern-Block auf die Haupttribüne geschossen worden seien, was seiner Meinung nach der Auslöser für die Spielunterbrechung war.
Schober fügte hinzu, dass Ritter auf seine Art provoziert und Dampf abgelassen habe, als er nach einer Gelben Karte zu seiner Bank ging. Er räumte zwar ein, dass Becherwürfe nicht zu entschuldigen seien und das Betreten des Spielfelds durch Fans inakzeptabel sei, betonte aber auch Ritters provokantes Verhalten, insbesondere das Zeitspiel bei Ecken kurz vor Ende der Partie.
Marlon Ritter selbst zeigte sich von den Vorwürfen unbeeindruckt. Er äußerte, dass jeder seine Meinung sagen dürfe und dass der Sieg für ihn das Wichtigste sei. Er verwies auf Sprüche von der Waldhof-Bank, die ihm aber egal seien, da sein Team gewonnen habe.
Thomas Hengen, Geschäftsführer von Kaiserslautern, zeigte sich selbstkritischer und verurteilte die Vorkommnisse. Er betonte, dass viele Leute provoziert hätten und die Geschehnisse auf den Rängen von beiden Seiten furchtbar gewesen seien. Hengen lobte die schnelle Reaktion der Polizei und gab zu, nicht damit gerechnet zu haben, dass das Spiel noch zu Ende gespielt werden würde.


Sichtweisen der Spieler und des Schiedsrichters
Trotz der dramatischen Szenen zeigten sich einige Spieler überraschend unbeeindruckt von der Gewalt. Lukas Klünter, Kapitän von Waldhof Mannheim, beschrieb die Stimmung als „supergeil“ und sprach von einem „ganz besonderen Abend“. Auf Nachfrage zur Gewalteskalation verwies er darauf, dass er vom Spiel spreche und alles andere analysiert werden müsse.
Auch Kaiserslautern-Spieler Semih Şahin gab an, wenig von den Szenen mitbekommen zu haben, da er und seine Teamkollegen auf das Spiel konzentriert gewesen seien. Er meinte, dass Rangeleien zu einem Derby dazugehören, besonders wenn es lange nicht gespielt wurde, und freute sich über den Sieg.
Torsten Lieberknecht, Trainer von Kaiserslautern, bedauerte die Ereignisse abseits des Feldes. Er hob hervor, dass beide Mannschaften auf dem Platz gut gespielt und fair gekämpft hätten, auch wenn es emotionale Momente gab. Lieberknecht betonte, dass es darum gehen sollte, über den Fußball und das Derby auf dem Platz zu sprechen, nicht über die Begleitumstände.
Schiedsrichter Robert Schröder bestätigte die Ernsthaftigkeit der Lage. Er beschrieb die Situation als „sehr heftig“ und erklärte, dass der Spaß aufhöre, wenn Raketen auf das Spielfeld und die Tribünen fliegen. Schröder gab an, dass man sehr nah am Abbruch gewesen sei, sich dann aber in Abstimmung mit Polizei und Sicherheitskräften entschieden habe, die Partie fortzusetzen.


Die Partie endete mit einem 1:0-Sieg für Kaiserslautern nach Verlängerung.
Source: bild.de