Kritik nach der Königsetappe am Mont Ventoux

Verzockt? Reusser reagiert auf Klatsche am Ventoux - Eurosport

Kritik nach der Königsetappe am Mont Ventoux

Marlen Reusser von Movistar hat nach der Königsetappe der Tour de France Femmes Kritik am Verhalten ihrer Rivalin Demi Vollering (FDJ United-Suez) geäußert. Reusser verlor auf dieser Etappe das Gelbe Trikot an Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon). Sowohl Reusser als auch Vollering konnten einer Attacke von Niewiadoma-Phinney am Mont Ventoux nicht folgen und verloren entscheidend an Boden.

Reusser erklärte, dass beide Fahrerinnen nicht reagierten, weil sie sich gegenseitig beobachteten. TV-Bilder zeigten, wie Reusser sich nach dem Antritt von Niewiadoma-Phinney zu Vollering umdrehte. Anstatt die Lücke gemeinsam zu schließen, zögerten beide.

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In der Mixed Zone berichtete Reusser, dass Vollering immer wieder hart attackiert habe. Reusser habe Vollering aufgefordert, dies zu unterlassen und stattdessen gemeinsam die Verfolgung aufzunehmen. Laut Reusser attackierte Vollering jedoch weiter, obwohl beide dann „Vollgas gefahren“ seien. Reusser belegte auf der Etappe den vierten Rang, während Vollering als Zweite ins Ziel kam und Reusser auch in der Gesamtwertung überholte.

Reusser mutmaßte, dass Vollering am Ende noch Reserven hatte und sich schon länger zurückhielt. Ihr Fazit lautete: „Ich denke wirklich, dass das alles dumm war.“

Vollerings Sichtweise und Niewiadoma-Phinneys Strategie

Lars Boom, Sportdirektor von FDJ, sprach nach der Etappe nicht von einem „Poker-Spiel“. Er glaubte, dass beide Fahrerinnen am Ende ihrer Kräfte waren. Vollering habe lange gekämpft, auch wenn sie auf dem letzten Kilometer eine gute Aufholjagd startete. Er merkte an, dass es keinen Sinn gehabt hätte, früher anzugreifen, da der Anstieg nicht steil genug war und der Wind die Situation erschwerte.

Vollering verteidigte sich gegen die Kritik. Sie erklärte, dass sie ihren Angriff gestartet habe und Niewiadoma-Phinney diesen sehr clever sofort abgewehrt habe. Danach hätte sie die Lücke sofort schließen müssen, hatte aber gehofft, sich von Reusser abzusetzen und dann wieder zu Niewiadoma-Phinney aufzuschließen. Vollering erwähnte, dass es auf dem letzten Stück sehr starken Gegenwind gab, weshalb sie dachte, dass sie dort besser zu zweit sein sollten. Sie räumte ein, dass Niewiadoma-Phinney an diesem Tag sehr gute Beine hatte und immer weiter davonzog.

Trotz ihrer Kritik an Vollering lobte Reusser die Leistung von Niewiadoma-Phinney. Die Einzelzeitfahr-Weltmeisterin sagte: „Ich denke vor allem, dass Kasia einen superguten Job gemacht hat.“

Für Niewiadoma-Phinney war der Erfolg am Mont Ventoux der erste Etappensieg bei der Tour de France Femmes. Niewiadoma-Phinney führt nun das Klassement an. Vollering liegt 15 Sekunden zurück, und Reusser folgt mit 39 Sekunden Rückstand auf Rang drei.

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Erstmals erklimmt die Tour de France der Frauen den Mont Ventoux, sie darf sich die erste Siegerin dort nennen: Kasia Niewiadoma-Phinney.(Foto Credit: n-tv.de

Canyon – SRAM auf Kurs Gesamtsieg

Bei Canyon – SRAM schien die Rollenverteilung zu Beginn der Tour de France Femmes nicht ganz klar. Kasia Niewiadoma-Phinney sollte die Nummer 1 sein, während die Rolle von Antonia Niedermaier, der Giro-Zweiten, unklarer war. Nach der siebten Etappe gibt es jedoch keine Zweifel mehr an der Führungsposition von Niewiadoma-Phinney.

Obwohl Niedermaier als Sechste am Mont Ventoux eine gute Kletterleistung zeigte, wurde sie von ihrer polnischen Teamkollegin überstrahlt. Die 31-jährige Niewiadoma-Phinney gewann die Königsetappe und übernahm das Gelbe Trikot von Marlen Reusser.

Damit rücken Niedermaiers fünfter Gesamtrang und das Weiße Trikot in den Hintergrund. Auf den verbleibenden zwei Teilstücken rund um Nizza zählt einzig der Gesamtsieg. Niedermaier äußerte sich im ARD-Interview: „Es wird auf jeden Fall sehr, sehr hart werden, aber wir sind sehr gut vorbereitet.“ Rosa Maria Klöser bestätigte am Ventoux gegenüber RSN: „Wir werden auf jeden Fall versuchen, dieses Gelbe Trikot mit nach Hause zu nehmen. Das ist die ganz klare Ansage. So werden wir auch fahren.“

Niedermaier hatte kurz vor der Attacke von Niewiadoma-Phinney noch für Tempo gesorgt. Eine Attacke von Demi Vollering führte dazu, dass Vollering, Reusser und Niewiadoma-Phinney davonzogen. Niedermaier beschrieb den Tag bis zum Mont Ventoux als entspannt, danach jedoch nicht mehr. Besonders das Stück im Wald, wo die Gruppe der Favoritinnen wegzog, sei sehr hart gewesen.

Credit: radsport-news.com

Niewiadoma-Phinney setzte sich in jenem Waldstück von ihren Begleiterinnen ab. Niedermaier befand, dass Niewiadoma-Phinney sehr mutig fuhr und früh attackierte. Sie glaubte nicht, dass viele erwartet hätten, dass sie mit dem Wind so gut zurechtkommt.

Die frühe Attacke war geplant, wie Niewiadoma-Phinney im Flash-Interview verriet. Ihre Idee war es, bereits sechs Kilometer vor dem Ziel, vor dem Chalet Reynard, alleine zu sein. Sie wusste, dass die Verfolgerinnen bei dem Wind so lange wie möglich am Hinterrad bleiben wollten. Nach dem Chalet hatte sie viel Gegenwind, wusste aber, dass ihre Konkurrentinnen hinter ihr „Spielchen spielen würden.“

Diese Einschätzung bestätigte sich, da Reusser und Vollering sich beäugten und zeitweise fast zwei Minuten hinter der Spitzenreiterin lagen. Niedermaier hingegen versteckte sich die letzten Kilometer vor dem Wind am Hinterrad von Elisa Longo Borghini, Paola Blasi (beide UAE – L’IMAD) und Cedrine Kerbaol (EF Education – Oatly). Sie war froh, in der Gruppe zu sein, als der Wind aufkam, um etwas aus dem Wind bleiben zu können.

Zeitweise sah Niedermaier so locker aus, dass ein Sprung zu Vollering und Reusser, die zwischenzeitlich nur noch zehn Sekunden Vorsprung hatten, möglich schien. Sie erklärte jedoch, dass es mit dem Wind schwierig geworden wäre und sie deshalb in der Gruppe blieb. Das Tempo sei flott gewesen und habe gut gepasst. Letztendlich kam sie knapp hinter den beiden UAE-Fahrerinnen ins Ziel und konnte Kerbaol noch um 13 Sekunden distanzieren.

Auf dem Podium konnte die neue Trägerin des Gelben Trikots ihre Tränen nicht zurückhalten. Am Schlusswochenende der Tour werden Niedermaier und Klöser wieder als Helferinnen unterwegs sein. Klöser äußerte sich stolz über Niewiadoma-Phinney: „Wir standen von Anfang an zu hundert Prozent hinter ihr und sie hat gezeigt, was sie kann.“

Niedermaier erwartet eine anspruchsvollere Aufgabe, da mit dem Gelben Trikot Druck und Verantwortung einhergehen. Die Tour de France Femmes endet am Sonntag mit dem neunten Teilstück an der Mittelmeerküste in Nizza.

Source: eurosport.de

David Zimmermann ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.

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